

Der Wermut ist in fast ganz Mittel- und Südeuropa, Nordafrika bis nach Asien verbreitet bzw. aus Kulturen verwildert. Neben Europa wird Wermut auch in den USA angebaut. Ursprünglich ist er in Europa und Westasien heimisch. Er bevorzugt stickstoffreichen, kalkhaltigen Boden, der sandig oder steinig sein kann, in trockener, sonniger Lage. Böden mit hohem Salzgehalt meidet er nicht. Man findet ihn auf Ödland, Schuttplätzen, Bahngleisen oder Wegrändern. Er gehört zu der typischen Ruderalflora. In Höhenlagen kommt er bis etwa 2.000 Meter Höhe vor. Mit dem Rückgang der Ödflächen ist auch der Wermut in Deutschland seltener geworden.
Es handelt sich um einen mehrjährigen, 40 – 100 cm hohen, krautigen Halbstrauch mit sehr starkem Aroma. In den ersten zwei Jahren bildet sich zunächst nur ein Halbrosettenstrauch von etwa 20 – 30 cm Höhe; in dieser Zeit ist der Wermut noch frost- und dürreempfindlich. Insgesamt kann er ein Alter von 4 – 10 Jahren erreichen.
Der Erntezeitpunkt ist wichtig für die Wirksamkeit der Pflanze. Zum Zeitpunkt der Vollblüte ist der Bitterstoffgehalt fast doppelt so hoch wie zuvor.
Das im ätherischen Öl enthaltene Thujon ist eine giftige Substanz, daher können größere Mengen oder eine längere Aufnahme von Wermutkraut, bzw. dessen Zubereitungen, zu Vergiftungen führen. Daher wird z.B. für die Likörproduktion kein ätherisches Öl mit Thujon, sondern nur die Bitterstoffes des Wermuts eingesetzt. In vielen Ländern dürfen seit etwa 100 Jahren auch keine alkoholischen Destillat-Zubereitungen mit Wermut (Absinthschnaps) hergestellt werden, da sie stark süchtig machen und betäubend bis halluzinogen wirken. Wermut verstärkt zudem die Wirkung des Alkohols stark. Das giftige Thujon kann in einem Extraktionsverfahren weitgehend entfernt werden.
Der Wermut führt aufgrund seiner Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone) zu einer starken, reflektorischen Steigerung der Verdauungssaftproduktion. Er wird als Amarum aromaticum (appetitanregendes Bittermittel mit ätherischem Öl) bei Verdauungsstörungen, Leber- und Galleleiden und Appetitlosigkeit verwendet. In der Homöopathie wird Wermut auch bei Reizbarkeit und Magenbeschwerden genutzt.
Volkstümlich diente er auch der Bekämpfung von Wurmkrankheiten (daher der englische Name „wormwood“), zur Fiebersenkung, zur Regulierung der Monatsblutungen, sowie äußerlich bei Wunden und Quetschungen.
Wermut kann als Tee, Abkochung, Aufguss oder Tinktur zubereitet werden. Allerdings dabei sollte sein intensiv bitterer Geschmack bedacht werden! Für die Teezubereitung wird etwa ½ Teelöffel mit 150ml heißem Wasser übergossen und ca. 10 min ziehen gelassen. Falls dies noch zu bitter schmeckt, kann man die Menge Wermut deutlich reduzieren! Wässrige Wermutauszüge enthalten nur wenig Thujon und sind entsprechend, ganz im Gegensatz zu alkoholischen Extrakten, kaum gefährlich.
Die Aufnahme von bis zu 3 Tassen Wermuttee oder etwa 30 Tropfen Wermuttinktur sollten jedoch am Tag trotzdem nicht überschritten.
Wermut wird auch in vielen Fertigarzneimitteln zur Anregung der Leber- und Gallefunktionen verwendet.
Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Wermut nicht angewendet werden. Bei Gallensteinleiden können die Gallensteine durch die Anregung des Gallenflusses in Bewegung geraten und so Koliken auslösen.
Das im Wermut befindliche Thujon führt in größeren Mengen zu Durchfall, Erbrechen, Nierenschäden und zentralen Störungen (Schwindel, Wahnvorstellungen etc.) und Krämpfen. Thujon ist ein Nervengift und wirkt vor allem an den GABA-Rezeptoren. Längerer Missbrauch führt zu dem sogenannten Absinthismus, welcher u.a. mit motorischen und sensiblen Ausfällen, Degeneration bis zur Erblindung und Wahnvorstellungen einhergeht.
Eine zu hohe Dosis Wermut macht sich zunächst mit Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar.